Ver­zet­te­lung, die

 

Wortart:  Substantiv, feminin

Zerstreutheit, Unkonzentriertheit, Durcheinander, Verlust, mit Nebensächlichkeit beschäftigt, Vielfältigkeit 

  1. planlos und unnütz für vielerlei Kleinigkeiten verbrauchen, mit vielerlei Unwichtigem verbringen
  2. sich mit zu vielem [Nebensächlichem] beschäftigen, aufhalten und dadurch nichts richtig, ganz tun oder nicht zu  dem eigentlich Wichtigen kommen (Duden Universallexikon)

Das ganze weltweite Netz lässt nicht Gutes am Verzetteln. Der Begriff ist ausnahmslos negativ besetzt. Namenhafte Unternehmen definieren in ihrem Bewertungskatalog unter dem Kriterium „Arbeitskompetenz und Leistungsfähigkeit“ die Effektivität von Mitarbeitern darin, ›dass das Handeln den Zielen entspricht und gemäß der Prioritäten durchgeführt wird (kein Verzetteln)‹.

Eine einschlägige Tageszeitung schätzt unter der Rubrik „Beruf und Chance“ die „Kernkompetenz Verzetteln“, das sogenannte Mikro-Management, als absolut karriereschädigend ein. Führungskräften die sich ständig verzetteln droht im Extremfall eine Gefängnisstrafe. Also in den U.S.A. Verzettelung führt zu Stress und verhindert effektives Produzieren.

Auf der Internetplattform „Deutsche Konjugationstabellen“ fand ich den Link: „verzetteln mit dem Konjugationstrainer üben“ und das geht so:
AKTIV mit sich im Akkusativ:

Indikativ Präsens Aktiv:

ich verzettele mich nicht
du verzettelst dich nicht
er/sie/es verzettelt sich nicht
wir verzetteln uns nicht
ihr verzettelt euch nicht
sie/Sie verzetteln sich nicht  u.s.w.

Besonders interessant fand ich den Hinweis:

›Die folgenden Formen des Perfekt II und Plusquamperfekt II kommen in der Umgangssprache vor. Ihre Benutzung wird aber nicht empfohlen.‹ Ich hatte mich nicht verzettelt gehabt…

Nun, ich bekenne, dass ich mich leidenschaftlich gern verzettele und der Meinung bin, dass ich viel zu selten dazu komme. Es macht Spaß und ist schon manchmal in wirklich Ästhetischen Erfahrungen geendet. Zettel an sich sind eine sehr, sehr praktische Erfindung. In all ihrer Vielfalt. Vom PostIt bis zur Postkarte. Seit jeher habe ich Schwierigkeiten mit der Linearität von Texten, bzw. damit, die Güte einer Arbeitsphase darin zu bemessen, wie gut ich die Dinge ›auf die Reihe‹ kriege.

Es gibt ziemlich viele Zettel in meinem Haus. Manche, einst hochgeschätzte Sammlungen, gut verpackt und für immer verschlossen an geheimen Orten, andere noch unsortiert gestapelt, wartend auf Wiederentdeckung. Wieder einige in Kartons archiviert. Notiz- und Tagebücher sind Zettelsammlungen, Fotokisten eigentlich auch.

Dieser Blog öffnet den virtuellen Kasten, auf dessen Etikett die Aufschrift: Kulturelle Bildung zu lesen ist und somit ein neues Format des Sortierens.

By the way, kommt mir gerade gelegen, dass Zettel, neben dem Stück Papier, in den Webereien einen ›bei einem Gewebe in Längsrichtung verlaufenden Garnfaden‹ (auch Kette genannt) bezeichnet. Daraus wurde das Verb anzetteln mit der Ursprungsbedeutung ›den Aufzug eines Gewebes auf dem Webstuhl einrichten‹. Ich finde, dass der Faden, der die ganze schöne Verzettelung zusammenhält bestenfalls rot sein sollte.

Eine ZettelWirtschaft stelle ich mir übrigens ziemlich gemütlich vor. Gleich um die Ecke wäre die MachBar.